Umwelt in Kanada

Umwelt in Kanada: Die Umweltpolitik Kanadas hat ungewöhnliche naturräumliche Grundlagen, vor allem ist aber die Gemengelage der Interessen eine spezifisch kanadische. Kanadas Natur ist zum bedeutendsten Faktor für den Tourismus geworden. Dazu tragen 43 National- und weit über 1.500 Provinzparks, sowie weitere Schutzgebiete bei, die vor allem riesige Waldgebiete beinhalten. Der älteste von ihnen ist der Banff-Nationalpark von 1885, der inzwischen über autobahnartige Straßen dem Massentourismus erschlossen wird. 1911 entstand Parks Canada als älteste Nationalparkverwaltung der Welt. Doch kollidieren touristische, Erhaltungs-, Erholungs- und wissenschaftliche Interessen mit den Verwertungsinteressen der Rohstoffindustrie und gelegentlich den Interessen der Ureinwohner.

Urwälder (old growth) gibt es in Kanada nach drei Jahrhunderten des Raubbaus kaum noch, und sie wären ohne den Widerstand von Umweltschutzorganisationen und Indianern gänzlich verschwunden. Die Unternehmen der Holzindustrie sind so eng mit den politischen Eliten der Provinzen verbunden, dass erst internationaler Druck und häufig Zwang der Bundesregierung und der Gerichtshöfe die Bestände in einigen Fällen retten konnten (vgl. Clayoquot Sound). Dagegen haben sich Wissenschaftler und zahlreiche Umweltverbände zusammengeschlossen, und die lange unbedeutende Green Party of Canada[45] konnte bei den Wahlen von 2008 knapp 7 % der Wähler gewinnen.

Nach einer Studie der Simon Fraser University, die auf Betreiben der David Suzuki Foundation durchgeführt wurde, liegt Kanada bei dreißig untersuchten Staaten bei der Produktion von Atommüll und Kohlenmonoxid auf dem hintersten Rang. Zudem nimmt es beim Wasserverbrauch den 29. Platz ein. Insgesamt rangieren Kanada, Belgien und die USA am unteren Ende der Staatengruppe. Im Oktober 2008 versuchten sich mehrere hundert Wissenschaftler gegen die Diskreditierung ihrer Arbeit durch die Regierung zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig fanden in Victoria die größten Demonstrationen der letzten 15 Jahre gegen die Abholzung der letzten Urwälder auf Vancouver Island statt.

Eine weitere, für die riesigen nachgewachsenen wie für die Urwälder möglicherweise noch größere Gefahr stellt der in Kanada Mountain Pine Beetle genannte Bergkiefernkäfer dar, der bereits mehrere Millionen Hektar Wald vernichtet hat.

Die über 250 Staudämme, die rund 58 % der in Kanada 2007 produzierten Strommenge von 612,6 Milliarden Kilowattstunden produzierten (wovon Kanada über 80 Milliarden Kilowattstunden exportierte), werden inzwischen ebenso kritisch mit Blick auf ihre Umweltbilanz betrachtet wie der Abbau der Bodenschätze. In beiden Fällen kam es nicht nur zu häufigen Zwangsumsiedlungen der Ureinwohner wie der Innu in Labrador, sondern auch zu erheblichen Umwelt- und Gesundheitsbelastungen wie beim Abbau der Athabasca-Ölsande in Alberta. Am 14. Oktober 2008 lehnten die Cree, denen die rechtlich privilegierte Rolle der Provinzen gegenüber der Bundesregierung in Fragen der Bodenschätze und der Stromgewinnung und gegenüber den indianischen Nationen bewusst ist, den „Grünen Plan“ der Quebecer Provinzregierung daher ab. Er hätte zudem Québec erneut die Verwaltung des riesigen James-Bay-Gebiets zurückgegeben, die die Cree nach langen Verhandlungen erst 2002 errungen hatten.

Im Nordosten British Columbias kam es in den letzten drei Jahren zu sieben von der Polizei als höchst gefährlich eingeschätzten Anschlägen auf Gasleitungen der EnCana Corporation, in denen stark giftiger Schwefelwasserstoff transportiert wird.

Am 29. April 1998 unterzeichnete die Regierung das Kyoto-Protokoll, und verpflichtete sich, die Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um 6 Prozent zu senken. Stattdessen stiegen die Emissionen von 1990 bis 2004 um mehr als ein Viertel. Beim Klimaschutz-Index 2008 lag Kanada auf Platz 53 von 56 untersuchten Staaten, womit das Land beim Kohlendioxid-Ausstoß nur noch vor Saudi-Arabien, den USA und Australien rangiert.

Rechtlich liegt der Umweltpolitik vor allem der Canadian Environmental Protection Act von 1999 zugrunde. Das zuständige Ministerium ist das Department of the Environment unter Leitung von John R. Baird (seit 2007). Ihm unterstehen neben anderen Organisationen Parks Canada und der Canadian Wildlife Service. Jede Provinz hat zudem ein eigenes Umweltministerium.

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